Systemische Prozessgestaltung in der Natur

Systemische Prozessgestaltung schätzt den zeitweisen Rückzug und unmittelbaren Kontakt mit der Natur als wirksame und wertvolle Basis für Entwicklungsimpulse sowie als gemeinsamen Lernraum. Methodisch greifen Naturerfahrung mit systemisch inspirierter Gesprächsführung und einem ganzheitlichen Methodenrepertoire naturbezogener, kreativer, szenischer und (zu speziellen Anlässen) ritualisierter Arbeitsformen ineinander. Die Arbeitsweise kommt zum Einsatz für Gruppen oder Einzelklient*innen, der Auftrag ist jeweils leitend.

Zentrale Stichworte der Arbeitsweise sind
– eine systemisch-lösungsorientierte Haltung der Begleiter*innen, die geknüpft ist an ein weit gefasstes Menschenbild, das eine Seele mitdenkt und an einen Systembegriff, der die gesamte Natur als lebendiges Beziehungsgefüge sieht, in das Menschen eingebunden sind;
– in der Praxis das konsequente und naheliegende Draußen-Sein (was Beratungen in städtischen Grünflächen und punktuell auch in Innenräumen einschließen kann);
– in der Weiterbildungs-Didaktik das handlungs- und erfahrungsorientierte Lernen;
– in der Fachlichkeit die phänomenologisch inspirierte Suche nach Beschreibungen und Erzählungen von Wirkungen und das Heranziehen jeglicher Erfahrung mit allen Sinnen.

Bei all dem geht es nicht um ein „Zurück zur Natur“ im extremen Sinn, sondern letztlich sind wir Menschen, die in der gegenwärtigen Welt ihre Aufgabe und ihren guten Platz suchen oder einnehmen, mitsamt der Komplexität und auch aller Technik, die dazu gehört. Gleichzeitig scheint es nützlich, dem „Zauber des Lebens“, der gesamten lebendigen Natur und der Geschichte der Menschheit auch verbunden zu sein und Qualitäten wie Intuition, Vertrauen, naheliegendes Handeln des Körpers, ein Eingebundensein in größere Zusammenhänge des Lebens mit zu kultivieren – um das Leben gelingen zu lassen, zu bewältigen, mitzugestalten.

In Gruppen hat der Arbeitsansatz seine große Stärke in der Art und Weise, wie er Räume öffnet nicht nur für Naturkontakte, sondern für gemeinschaftliches Lernen und Entwicklung in einem Klima, in dem alle Beteiligten in natürlicher Weise gleichwertig mitwirken, gesehen und gehört sind, gebraucht werden – und in aller schönen Unterschiedlichkeit Profil bekommen können. Auf dieser Basis entstehen reiche Gruppen, die Vieles im Zusammenwirken möglich machen, entstehen lassen.

Bei mehrtägigen Outdoor-Seminaren bieten vor allem Wälder Schutz. Das Unterwegssein ist naheliegend gestaltet, wir bewegen uns zu Fuß, haben das Gepäck dabei, kochen am offenen Feuer, schlafen im Freien – und hinterlassen so wenig Spuren wie möglich. Dabei sind wir in Kontakt mit Wald-Eigentümerinnen, Bürgermeistern, Naturschutzverbänden u.a.

Systemische Prozessgestaltung in der Natur, so wie von uns in Berlin konzipiert, hat ihre Grundlagen in den Weiterbildungen von Habiba Kreszmeier und Hans-Peter Hufenus (nature & healing, Ostschweiz), insbesondere der Systemischen Naturtherapie und Beratung – mit Berührung zur Erlebnispädagogik. Zugleich prägen 16 Jahre Praxis in ost- und norddeutschen Landschaften und mit der hiesigen Geschichte und ihren Menschen die Arbeit: Lehrgänge mit eigener Dramaturgie und eigene Methoden und Formen entstehen mit den Teilnehmer*innen, Klient*innen, Auftraggeber*innen – und mittlerweile auch zahlreichen Kolleg*innen. Diese Entwicklungsfähigkeit liegt mit in der Natur des Ansatzes. Zudem ist auch mein geisteswissenschaftlicher Hintergrund impulsgebend sowie eine weite berufliche Erfahrung im Kontakt mit ganz unterschiedlichen Menschen und Szenen.

Habiba Kreszmeier hat 2019 in Zusammenarbeit mit Kolleg*innen Begriff und Konzept eines Natur-Dialogs vorgestellt, der disziplinenübergreifend gedacht ist und auch verschiedene berufsbegleitende Weiterbildungen integrieren kann. 2020 entstand die Natur-Dialog-Bewegung als kollegialer Zusammenschluss, dem auch wir angehören.

Für Weitere Informationen siehe auch publizierte Artikel: Fachliteratur